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Elsa Einstein to Otto Nathan, 22 July 1935:

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Date
22 July 1935
Abstract
TLS.
Details
Identifier
einstein:497,Folder 3.8
Extent
1 item
Format
Rights
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: einstein:497-1
Old Lyme, Conn., 22 July [1935]
Dear Dr. Nathan,
Your stay here yesterday was too short. Too short for me, in any case. When you come back from your trip to Europe, I’m not going to give you any peace until you spend a few days with us. It would be nice for you and you would certainly be pleased.
As concerns Hans Meyer, I shall now give you the details. He received the affidavit at Christmas and it has been tug-of-war since that time. He is running out of all possible plans of attack and cannot obtain the entry. We hear from various quarters, also from Paris, that the American consul there is acting very severely against Jews and is causing difficulties for them. A telegram arrived: lack of funds forbid the exit. To that we sent a detailed statement of our financial assets and explicitly emphasized that we are assuming the most far-reaching sponsorship of Hans Meyer and that we regard him as our own son. We also wrote to Washington and the State Department and arranged that a letter be written to Paris from there. All in vain; the consul is adamant about his refusal. Now Hans suggests that we transfer a large sum of money to him, pro forma. But that would also cause problems and perhaps the consul would no longer believe it. Isn’t it a shame and a scandal that my husband is not in a position to bring over his nephew on an affidavit and every possible guarantee? No doubt there is a malevolent attitude toward Albert personally. That man is probably not only a big anti-Semite but also pro-Nazi; one can certainly assume that. This case is so tragic because on September 30th Hans’s passport expires, and then he will no longer have any chance to come across. His mother is in complete despair about it, and he himself is also at wits end. He no longer has any income in Paris either, and his situation is consequently as unfavorable as one could imagine. Could you help? Perhaps MacDonald can be put into action?
The stocks have been weighing heavily on my mind for a long time already. I’ve been counting and counting and I just can’t come up with the amount that we should have. Do me the favor and investigate. If Cassel says he has delivered it, it should be in the safe. But as they aren’t there, I don’t know what to think. I can’t imagine at all why Cassel didn’t deliver the stocks for me. At the time, I was concerned only with my child and also
[TLS]

 


: einstein:497-1
Old Lyme, Conn. 22. 7. [1935]
Lieber Herr Dr. Nathan:
Zu kurz war gestern Ihr Aufenthalt hier. Mir jedenfalls zu kurz. Wenn Sie von Ihrer Europareise zurückkommen, dann lasse ich Ihnen keine Ruhe, bis Sie einige Tage bei uns verbringen, Sie würden es gut haben und es würde Ihnen sicher gefallen.
Betreffs Hans Meyer teile ich Ihnen jetzt Einzelheiten mit. Er bekam Weihnachten das Affidavit und seit dieser Zeit ist ein Hin- und Hergezerre, er fährt alle möglichen Geschütze auf und kann die Einreise nicht bekommen. Wir hören von verschiedenen Seiten, auch aus Paris, dass der amerikanische Konsul dort sehr scharf gegen Juden vorgeht und ihnen Schwierigkeiten macht. Ein Telegramm kam: lack of funds verbieten die Ausreise. Wir sandten darauf eine detaillierte Aufstellung von unseren Vermögensverhältnissen und betonten ausdrücklich, dass wir die weitgehendste Garantie für Hans Meyer übernehmen und dass wir ihn wie unseren eigenen Sohn betrachten. Wir schrieben auch nach Washington an das State Department und liessen von dort aus nach Paris schreiben. Alles war vergebens, der Konsul beharrt auf seiner Weigerung. Nun schlägt Hans vor, dass wir ihm pro forma eine grosse Geldsumme überschreiben. Aber das macht auch Schwierigkeiten und vielleicht würde es der Konsul nicht mehr glauben. Ist es nicht eine Schande und ein Skandal, dass mein Mann nicht imstande ist, auf ein Affidavit und alle möglichen Garantien hin seinen Neffen herüber zu bringen? Es ist sicher eine persönliche feindselige Stellungnahme Albert gegenüber vorhanden. Wahrscheinlich ist der Mann nicht nur ein grosser Antisemit, sondern auch nazifreundlich, das kann man wohl annehmen. Der Fall ist deshalb so tragisch, weil am 30. September Hansens Pass abläuft und er dann keine Aussicht mehr hat, herüber zu kommen. Seine Mutter ist hell verzweifelt darüber und er selbst ist auch ratlos. Er hat auch in Paris kein Einkommen mehr und die Lage ist somit für ihn denkbar ungünstig. Könnten Sie helfen? Vielleicht kann MacDonald in Bewegung gesetzt werden.
Die stocks liegen mir schon lange auf der Seele. Ich habe immer gezählt und gezählt und ich bring die Summe, die wir haben müssten, nicht zusammen. Tun Sie mir den Gefallen und forschen nach. Wenn Cassel sagt, er habe es abgeliefert, so müssten sie im Safe sein. Aber da sie nicht dort sind, so weiss ich mir keinen Rat. Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, wieso Cassel mir die Aktien nicht abgeliefert hat. Ich war damals nur mit meinem Kind beschäftigt und auch
[TLS]

 


: einstein:497-2
afterwards, when the receipt was handed to me, I couldn’t have cared less about anything. It mattered so little that I didn’t even check the calculations. Now there is something else peculiar. I never received a cent of the interest you mentioned from those stocks. I have never even heard the name of these stocks. Yesterday was the first time, when you spoke about it. I am very anxious to know how this matter will develop.
I already sent a telegram to Zurich to have the francs on deposit there converted into pounds. A letter was too insecure for me in the end. I shall be sending you a small package for Mrs. Luchaire in the next few days. Perhaps also just directly to the ship when I buy it in New York. I would be very glad if you could speak to Mrs. Luchaire. She will surely want to hear news of us.
We found Bucky looking very poorly yesterday. We are really worried about him and it looks very gloomy in this respect.—Hopefully you will let yourself have a bit of rest and leisure in Europe. I don’t have the feeling that we will be losing you, for Princeton and New York are nearly one.
My heartfelt greetings
and constant gratitude,
Yours,
Elsa Einstein.
[Verso. Last two lines of closure handwritten.]

 


: einstein:497-2
nachher, als mir die Abrechnung übergeben wurde, war mir alles egal. So egal, dass ich nicht einmal nachgerechnet habe. Nun kommt ja noch etwas merkwürdiges. Ich habe noch nie einen Cent Zinsen bekommen von den stocks, die Sie erwähnten. Ich habe überhaupt noch nie den Namen dieser stocks gehört. Gestern zum ersten Mal, als Sie davon sprachen. Ich bin sehr gespannt, wie sich die Sache entwickeln wird.
Ich habe bereits ein Telegramm nach Zürich geschickt, um die dort befindlichen Franken in Pfunde umwechseln zu lassen. Ein Brief war mir doch zu unsicher. Ein kleines Paketchen für die Luchaire sende ich Ihnen dieser Tage. Vielleicht auch erst ans Schiff, wenn ich es in New York erst besorge. Ich wäre sehr froh, wenn Sie Frau Luchaire sprechen könnten, sie will sicher über uns berichtet bekommen.
Bucky fanden wir gestern sehr schlecht aussehend. Wir machen uns wirkliche Sorgen seinethalben und wir sehen sehr düster in dieser Beziehung.—Hoffentlich gönnen Sie sich in Europa ein bischen Ruhe und Muse. Ich habe nicht das Gefühl, dass Sie uns abhanden kommen, denn Princeton und New York sind nahezu eines.
Seien Sie von Herzen gegrüsst
und stets bedankt
Ihre
Elsa Einstein.
[Verso. Last two lines of closure handwritten.]