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Albert Einstein to Otto Nathan, 11 May 1950:

Access Control
Date
11 May 1950
Abstract
ALS.
Details
Identifier
einstein:704,Folder 2.14
Extent
1 item
Format
Rights
Copyright © 2013 The Hebrew University of Jerusalem. Published by Princeton University Press.

 


: einstein:704-1
[11-V-50]
Dear Nathan,
I think it really is your duty to make public the truth about the economic situation of Czechoslovakia and to counter intentional attempts at distortion such as Skala’s.
In detail, a couple of comments. Your introduction should make clear to the reader that you are a researcher in the field of economics and, with the assistance of local institutions, have conducted studies on location, which are published (there and there) in more detail. In this way, from the outset, the impression can be avoided that you are a “hired” propagandist, which in the present case the reader might suppose.
In the introduction, it should also be said that whoever has access to reliable information these days has the obligation to enlighten the public. For without such reliable information about the facts, not even a conscientious person can arrive at a reasonable attitude in the political sphere.
Factually, I find your point (1) very good. In (2), on the contrary, I find the comparison with USA’s foreign trade relations infelicitous, as the natural exchange of goods with a foreign country is proportionally higher for a small country than for a large one. Furthermore, the last sentence on page (2) should be conceived differently because it refers not to tangible facts but to opinions. Therefore, not “absurd and nonsensical,” but something like “unlikely from the economic point of view, because any strengthening of the industrial potential of its cooperating region must be advantageous to Russia itself.”
The last paragraph may be accurate, but it should be composed more nobly. Perhaps we could do that together. Perceptible anger always weakens the effect.—
Mr. Bliven’s letter is a sad sign of the times. It is something like when Jews look upon one another with the eyes of anti-Semites. It is the cheap catchwords that paralyze those people’s critical discernment. Your answer to both is good.
If you make your submission to the N. R. less emotional and less personal, it will have a good effect.
Cordial regards,
Yours,
A. E.
Dear Nathan. Don’t let yourself be annoyed! You do know of what curious material we humans just happen to be made. One can mitigate but basically not change anything—by any means whatsoever.
[ALS]

 


: einstein:704-1
[11-V-50]
Lieber Nathan!
Ich finde, dass es wirklich Ihre Pflicht ist, die Wahrheit über die Wirtschaftslage der Tschechoslovakei öffentlich zu vertreten und solchen absichtlichen Entstellungs-Versuchen wie dem Skala’schen entgegenzutreten.
Im Einzelnen ein paar Bemerkungen. Ihre Einleitung sollte es dem Leser klar zum Bewusstsein bringen, dass Sie Forscher auf dem ökonomischen Gebiete sind und mit Hilfe hiesiger Institutionen an Ort und Stelle Studien gemacht haben, die (da und da) ausführlicher erscheinen. Dadurch kann von Anfang an der Eindruck vermieden werden, dass Sie ein „gedungener“ Propagandist seien, was doch unter gegenwärtigen Verhältnissen der Leser vermuten mag.
In der Einleitung sollte auch gesagt werden, dass jeder, der über zuverlässige Informationen verfügt, heutzutage die Pflicht hat, die Oeffentlichkeit aufzuklären. Denn ohne solche zuverlässige Informationen über die Fakten kann auch ein gewissenhafter Mensch nicht zu einer vernünftigen Einstellung auf politischem Gebiete gelangen.
Sachlich finde ich Ihren Punkt (1) sehr gut. In (2) dagegen finde ich den Vergleich mit dem Aussenhandels-Verhältnis der USA nicht glücklich, da der natürliche Warentausch mit dem Ausland für ein kleines Land prozentisch höher ist als für ein grosses. Ferner sollte der letzte Satz auf Seite (2) anders gefasst werden, da er sich nicht auf greifbare Fakten sondern auf Meinungen bezieht. Also nicht „absurd and nonsensical“ sondern etwas wie „vom ökonomischen Gesichtspunkt wenig wahrscheinlich, da für Russland jede Stärkung des industriellen Potentials des mit ihm kooperierenden Gebietes vorteilhaft sein muss“
Der letzte Absatz mag zutreffend sein, sollte aber nobler abgefasst werden. Vielleicht könnten wir es zusammen machen. Fühlbarer Aerger schwächt immer die Wirkung ab.—
Der Brief des Herrn Bliven ist ein trauriges Zeichen der Zeit. Es ist so was, wie wenn Juden auf einander mit den Augen der Antisemiten schauen. Es sind die billigen Schlagworte, die solchen Leuten das kritische Urteilsvermögen paralysieren. Ihre Antwort an die beiden ist gut.
Wenn Sie Ihre Einsendung an die N. R. der Form nach leidenschaftsloser und unpersönlicher machen, wird sie eine gute Wirkung haben.
Herzliche Grüsse
Ihr
A. E.
Lieber Nathan. Lassen Sie sich nicht ärgern! Sie kennen doch das kuriose Material, aus dem wir Menschen nun einmal gemacht sind. Man kann etwas mildern aber nichts grundsätzlich ändern—durch kein Mittel.
[ALS]